30. April 2021

Gedanken der stellv. DVG-Vorsitzenden

Zum Muttertag

Gestatten Sie mir heute, dass ich mich einmal speziell an die Mütter unter uns wende. Ihnen gilt heute unser aller besonderer Dank.

"Manche Menschen haben Kommunikationsberater – der Rest von uns hat eine Mutter!" (Mary Tyler „Molly“ Ivins, amerik. Schriftstellerin)

 

Liebe Frauen, liebe Mütter,

Ihnen gilt heute unser aller besonderer Dank. Gerade in der momentan schwierigen Situation, in der Corona von uns allen Höchstleistungen abverlangt, sind es wieder einmal die Mütter, die hier teils Übermenschliches leisten müssen, längst überwunden geglaubte Rollenbilder wurden notgedrungen wieder reaktiviert. Es ist an uns selbst, dass dieser Rückschritt nicht erneut zur Gewohnheit wird.

Es ist die alte Geschichte – Familie, Arbeit, Haushalt - alles unter einen Hut bringen. Aber das ist noch lange nicht das Ende der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit unserer Mütter. „Dank“ Corona sind sie nun auch noch Lehrerinnen, Erzieherinnen, managen so ganz nebenbei auch ihre beruflichen Aufgaben im Homeoffice – man könnte noch viel mehr aufzählen. Und vor diesem Hintergrund gibt es Stimmen, die z. B. den „Frauentag“ für überholt halten, dieser wird allerdings von Jahr zu Jahr wieder mehr zum Kampftag für die Rechte und die Gleichberechtigung der Frauen. Unter allen Frauen kommt hier den Müttern noch einmal ein besonderer Stellenwert zu. Was sie in diesen Tagen zu leisten haben, kann man gar nicht genug würdigen. Mütter fragen nicht, wie sie das alles schaffen können, sie tun es einfach. Sie handeln sofort, müssen nicht erst einen Krisenstab bilden, eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen, eine Studie erstellen lassen und Meinungsforschung betreiben. Sie packen sofort an!!!

Es ist endlich an der Zeit, auch hier für Gleichberechtigung zu sorgen. Es kann einfach nicht weiter angehen, dass Homeoffice und Homeschooling, Haushalt, Kindererziehung und Pflege größtenteils von den Frauen, den Müttern, geleistet werden, sie aber andererseits dafür die Rechnung in der beruflichen Entwicklung präsentiert bekommen. Noch immer bewerben sich wesentlich weniger Frauen als Männer auf lukrative Jobs. Warum? Die Arbeitgeber müssen endlich flächendeckend dafür Sorge tragen, dass Frauen bessere Karrierechancen, leistungsgerechte Bezahlung und mehr Möglichkeiten zur besseren Vereinbarkeit und Gestaltungsmöglichkeiten von Arbeit und Familie erhalten.

Der Anfang ist gemacht, Corona hat uns praktisch dazu gezwungen, endlich in Angriff zu nehmen, worüber schon so lange gesprochen wurde. Viele Mütter nehmen nun auch Homeoffice in Anspruch, müssen es, um ihre Kinder zu beaufsichtigen, wenn Schulen und Kitas geschlossen sind. Und sie meistern das nicht schlechter als ihre männlichen Kollegen, trotz Mehrfachbelastungen. Aber noch immer liegt die Lohnlücke im Vergleich zu den Männern in Deutschland unverändert bei ca. 18 Prozent. Dazu kommt noch, dass Frauen zuletzt ca. 87 Minuten pro Tag mehr für unbezahlte Sorgearbeit aufwendeten als Männer. Mehr Arbeit, weniger Freizeit, weniger Geld als die Männer – hier ist für uns alle noch sehr viel zu tun. Das heißt mit anderen Worten, Mütter übernehmen zwei Drittel der unbezahlten Care-Arbeit, Väter ein Drittel, und das ist seit 30 Jahren so. Diese soziale Schieflage zwischen den Geschlechtern in den Familien hat sich nun infolge Corona weiter verschärft und ist krasser geworden. Es geht dabei auch um das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Und das haben vor allem viele Mütter jetzt in der Corona-Krise nicht mehr. Ein Anfang ist gemacht, auch viele Väter haben in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling ihre Vaterrolle neu entdeckt und organisiert.

Liebe Mütter, ohne Euch wäre in den vergangenen Monaten sehr viel in unserem Land schiefgelaufen. Euch gebühren Dank und Anerkennung – aber endlich auch spürbare schnelle Verbesserungen und Schluss mit der Ungleichbehandlung. Lasst uns gemeinsam diesen Weg weiter gehen und Erfolge erringen!

Ihre Margit Liebsch
Frauenvertreterin der DVG Sachsen 

"Wenn du etwas gesagt haben willst, frage einen Mann; wenn du etwas erledigt haben willst, frage eine Frau." (Margaret Thatcher)